Keine Lichtformer? Nur eine einzige Lichtquelle? Kein Problem.

A. Indirektes Licht — so funktioniert es

In der Studio-Portraitfotografie bedeutet indirektes Licht, dass das Licht umgeleitet wird, indem es von einer Oberfläche reflektiert (bouncing) wird, anstatt direkt auf das Motiv zu zeigen. Dadurch streut und verteilt sich das Licht, wodurch ein weicheres, diffuses Licht entsteht, harte Schatten reduziert werden und ein schmeichelhafterer Look erzielt wird.

Im Allgemeinen gilt: Je größer die Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv ist, desto weicher sind die Schatten.

B. Indirekte Lichttechnik — warum und wann anwenden?

Verteilung

Indirektes Licht verteilt sich über einen größeren Bereich, reduziert harte Schatten und erzeugt einen natürlicheren Effekt (abhängig von der Richtung des indirekten Lichts).

Vermeidung von Hot Spots

Wenn ein direkter Blitz zu hart ist (harte Schatten, helle Hotspots auf der Haut, unnatürliche Ergebnisse), kann indirektes Licht den Kontrast für einen natürlicheren Look reduzieren.

Fensterlicht-Simulation

Kann eine große Lichtquelle erzeugen und natürliches Fensterlicht imitieren.

Kleine Räume

Kleine Studios oder Räume haben möglicherweise nicht genug Platz für große Softboxen oder zusätzliche Lichter, aber das Reflektieren von einer Wand oder Decke imitiert eine große Lichtquelle ohne zusätzliche Ausrüstung.

Von flach zu plastisch

Indirektes Licht ermöglicht es dir, zu steuern, wie sich das Licht um das Motiv verteilt. Anstatt das Licht direkt auf dein Motiv zu strahlen, reflektierst du es von einer gegenüberliegenden Wand für flaches/gerichtetes Licht oder in einem Seiten-/Oberwinkel, um Schatten und Lichtabfall zu erzeugen.

C. Werkzeuge — Strobe, LED, Speedlight

Wenn du mit einem Studioblitz oder einer LED-Leuchte arbeitest, werden diese oft mit einem Standardreflektor (18 cm) geliefert, der als Basiskonfiguration angeboten wird.

Wenn du mit einem Aufsteckblitz arbeitest, enthält dieser eine Fresnel-Linse, die den Strahl präzise steuert. Du kannst den Zoom des Strahlwinkels (Streuung) manuell von ~24 mm bis ~120 mm einstellen (abhängig vom Modell).

Deine Einstellungen hängen von der Entfernung zur reflektierenden Oberfläche, der Reflektivität dieser Oberfläche und dem gewünschten Lichteffekt ab.

Aufsteckblitz-Leistung

  • Beginne mit 1/4 oder 1/2 Leistung (je nach Ergebnis anpassen).
  • Bei einer weißen Decke oder Wand benötigst du möglicherweise höhere Leistung (1/2 bis voll) wegen Lichtverlust.
  • Bei einem nahen Reflektor (z.B. Styroporplatte) kannst du geringere Leistung (1/8 bis 1/4) verwenden.

Blitzlicht-Zoom (Lichtkegel)

  • Breiterer Zoom (24-35 mm) verteilt das Licht beim Bouncen gleichmäßiger.
  • Engerer Zoom (85-105 mm) erzeugt ein stärker gerichtetes Bouncen, nützlich um den Lichtabfall zu kontrollieren.

Bounce-Winkel und -Richtung

  • Ziele auf eine große weiße Fläche (Wand, Decke oder Reflektorplatten).
  • Vermeide es, direkt über dem Motiv zu bouncen (erzeugt unvorteilhafte Schatten unter den Augen).
  • Für einen natürlicheren Wraparound-Effekt sollte das Licht leicht hinter dir oder von der Seite reflektiert werden.

ISO und Blende

  • Beginne mit ISO 100-400 (erhöhe den Wert, wenn das reflektierte Licht zu schwach ist).
  • Verwende eine Blende von f/4 bis f/8 für eine gute Schärfentiefe bei gleichbleibender Lichtausbeute.

Weißabgleich

  • Auf Blitz (~5500 K) für neutrale Farbtöne.
  • Wenn du Licht von farbigen Wänden bounced, verwende eine weiße Reflexionskarte oder korrigiere mit benutzerdefiniertem Weißabgleich.

D. Materialien und Werkzeuge

Beim indirekten Blitzen mit einem Licht erhält man meist eine gleichmäßige Ausleuchtung und kontrollierte Schatten. Hier sind die besten Werkzeuge.

Kostenlose Option — weiße Wände und Decken

Am besten geeignet für großes, weiches Licht ohne zusätzliche Ausrüstung. Richte dein Blitzgerät, Stroboskopblitz oder LED-Leuchte in einem Winkel auf eine weiße Wand oder Decke, um weiches Licht auf dein Motiv zu reflektieren.

  • Weiße Wände — wirken wie eine riesige Softbox.
  • Weiße Decken — erzeugen natürlich wirkendes, von oben einfallendes weiches Licht.
  • Farbige Wände/Decken vermeiden — können unerwünschte Farbstiche verursachen.
  • Hohe Decken vermeiden — das Licht kann verloren gehen und zu schwach werden.

Budgetfreundlich — Panels und 5-in-1-Reflektoren

Platziere einen Reflektor gegenüber deiner Lichtquelle, um weiches Fülllicht auf die Schattenseite deines Motivs zu werfen.

  • Weiße Pinnwand oder Schaumstoffplatte — weiches, natürliches Fülllicht.
  • 5-in-1-Reflektor silber — intensiveres, kontrastreicheres Licht für extra Helligkeit.
  • 5-in-1-Reflektor gold — verleiht Hauttönen Wärme.

V-Flats

Am besten für weiches, gleichmäßiges Streulicht ODER zum Blockieren unerwünschten Lichts. Platziere ein weißes V-Flat neben deinem Motiv, um weiches Fülllicht zurückzuwerfen.

  • Weiße V-Flats — großer, gleichmäßiger Lichtreflex.
  • DIY-Option: große weiße Schaumstoffplatten aus Kunstfachgeschäften oder Baumärkten.

E. Farbton und Farbtemperatur

Ein reflektiertes Licht kann Farbe von der Oberfläche aufnehmen, von der es reflektiert wird, was zu unerwünschten Farbtönen führt (z.B. Grün von Wänden oder Gelb/Braun von Holz). Um dies zu vermeiden, solltest du neutrale weiße oder graue Oberflächen verwenden. Wenn ein Farbstich auftritt, passe den Weißabgleich in der Kamera an oder korrigiere ihn mithilfe der Schieberegler für Temperatur und Farbton in der Nachbearbeitung.

F. Augenreflexe (Catchlights)

Bei einer weit entfernten Bounce-Oberfläche werden vermutlich keine Lichtreflexe entstehen, aber so sind Ganzkörperaufnahmen möglich.

Begrenzte Lichtreflexe treten auf, wenn das Bounce-Tool kleiner und näher am Motiv platziert ist (1–1,5 m), was zu einem engeren Bildausschnitt (Oberkörper) führt, um zu vermeiden, dass das Bounce-Tool in die Aufnahmeachse gerät.

G. Lichtrichtungen der Bouncing-Tools

Drei Richtungen mit jeweils eigener Lichtqualität.

Frontal — flache Beleuchtung

Wand oder Bounce-Tool wie Pappe oder Styroporplatte. Lichtqualität: fast keine Schatten, weiches, schmeichelhaftes und natürlich aussehendes Licht.

Seitliche Beleuchtung (30°–45°) — klassische Beleuchtung

Lichtqualität: Weiche bis kontrastreiche Schatten auf der gegenüberliegenden Seite der Licht-/Reflektorquelle, je nach Oberflächenbeschaffenheit des Reflektors.

Reflektor von oben nach unten — Butterfly-Variante

Lichtqualität: Diese Richtung erzeugt kontrastreiche Schatten unter Nase und Kinn, unabhängig von der Oberflächenbeschaffenheit. Die Schatten können mit einem zweiten Reflektor aufgehellt werden, der nach unten geneigt ist, was wiederum einen engeren Bildausschnitt erfordert.

H. Fazit — häufige Fehler

Bouncing ist eine hervorragende Möglichkeit, schmeichelhafte Porträts zu erstellen, aber einige Fehler können zu schlechten Ergebnissen führen.

Vermeiden

  • Reflektieren über farbigen Wänden oder Decken — diese erzeugen unerwünschte Farbtöne; neutrale Oberflächen wählen.
  • Zu weite Distanz oder falsche Blitzwinkel — Lichtintensität und -weichheit leiden; Blitzleistung erhöhen oder ISO anpassen.
  • Zu niedriges oder falsch gewinkeltes Reflektieren — Licht wird zu stark gerichtet, verliert Weichheit oder wirkt ungewollt dramatisch.
  • Falsche Blitz-Zoom- und Kameraeinstellungen — passe ISO und Blende an, um eine ausgewogene Beleuchtung zu erhalten.

Aus unserer Community — drei Bounce-Sets

Inspirierende Setups von unseren Community-Legenden, die mit einer reflektierten Lichtquelle arbeiten.

Simple One Light with foam core bounce — super soft light (cheapest setup)

von Robert Cetl

Set-ID 11033185 ›

Lightbounce 1 (Dramatic)

von Uwe Voigt

Set-ID 11034572 ›

Flash Bounce Angle

von Ole Berek

Set-ID 11031016 ›

Viel Spaß beim Ausprobieren,
Dan von elixxier


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