Diesmal keine Porträts. Wir haben vier Produkt-Setups aus der Community herausgesucht, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein warmes Frühstücks-Stillleben aus Kaffee und Donuts, ein zeitloses Wein-Stillleben, Schmuck – getragen statt drapiert – und eine ausgewachsene Commercial-Produktion mit sechzehn Lichtern.
Was sie verbindet, ist die Disziplin. In der Produktfotografie beleuchtet Licht nicht einfach das Motiv – es baut Oberflächen. Jede Glanzkante – auf Glas, auf Metall, auf einer Schokoglasur – ist eine Entscheidung, kein Zufall. So haben vier unserer Community-Creators diese Entscheidungen getroffen.
Set 01: Breakfast, Engineered
Fünf Lichter, ein warmer Key
von Raed ALhousen

Kaffee, schokoglasierte Donuts, ein mit Kordel gebundener Keksstapel – das sieht aus wie ein spontaner Sonntagmorgen-Schnappschuss auf dem Frühstückstablett. Genau diese beiläufige, appetitliche Wärme ist der Punkt – und sie ist das Schwerste überhaupt vorzutäuschen: Food muss zum Anfassen aussehen, nicht beleuchtet.
Unter der Gemütlichkeit steckt ein diszipliniertes Fünf-Licht-Setup. Eine große, warm gegelte Ø150-Octa hängt fast senkrecht über dem Tablett – 89°, knapp drei Meter hoch – und legt eine weiche, umschließende Grundhelligkeit an, die Schokolade und Keramik glühen statt glänzen lässt. Eine zweite Octa, ungegelt und dicht von der Seite herangezogen (Ø120, kaum einen Meter entfernt), streift über die Szene und baut die Kanten: den Rand der Tasse, die Kante des Tabletts, die Trennung vom kühlen blauen Hintergrund. Eine dritte, kleinere Octa sitzt hinter einem Grid und ergänzt ein warmes, kontrolliertes Fill, das nie auf den Hintergrund ausläuft. Dann die Feinarbeit – zwei kleine Reflektoren hinter engen 10°- und 20°-Grids setzen Spitzlichter genau dorthin, wo die Glasur das Licht fangen soll, und ein 60×100-Reflektor öffnet die vorderen Schatten. 105 mm bei f/11 halten jeden Donut scharf, vom vorderen bis zum hinteren Rand des Tabletts.
Set 02: The Timeless Tabletop
Striplights auf Glas

Wein, Obst, warme Tabaktöne – klassischer wird Tabletop-Fotografie nicht. Und genau in solchen Frames rächt sich schlampiges Licht sofort: Dunkles Glas ist ein Spiegel. Was du davor stellst, bekommst du zurück.
Deshalb sind die beiden Striplights das Herzstück dieses Sets. Sie definieren die Flasche mit den sauberen, durchgehenden vertikalen Glanzkanten. Eine Softbox von oben legt eine weiche Grundhelligkeit über Obst und Holz, während ein optischer Snoot das Etikett herauspickt – bewusst leicht gekippt, damit das Licht über das Papier abfällt und das Etikett wie eine gewölbte, physische Oberfläche wirkt statt wie ein flacher Aufkleber. Abschatter halten Streulicht vom Glas fern, und f/11 hält Flasche, Glas und Obstschale gemeinsam in der Schärfe.
Set 03: Worn, Not Displayed
Gobo-Projektor als Key
von Ahmed Omara

Statt die Stücke auf Samt zu legen, bringt dieses Set den Schmuck dorthin, wo er hingehört – an einen Menschen. Eine harte Lichtklinge schneidet über Gesicht und Hals und landet exakt dort, wo sie soll: auf dem goldenen Ohrring und dem Ring. Auch die roten Nägel sind kein Zufall – sie führen dein Auge direkt zum Diamanten.
Die Klinge kommt aus einem Gobo-Projektor, passend beschnitten. Drumherum halten eine große Octa und zwei Beauty Dishes eine weiche, glaubwürdige Grundbelichtung, damit die Schatten offen bleiben. Und weil Metall mit seinen Spitzlichtern steht und fällt, hält f/16 bei 100 mm diese winzigen Highlights eng und definiert, statt sie ausblühen zu lassen.
Set 04: The Full Production
16 Dauerlichter
von Pavel Putintsev

So sieht es aus, wenn sich die Produktfotografie beim Filmset bedient: eine Presenterin, das Produkt auf der offenen Handfläche und ein markenblauer Hintergrund, auf dem vertikale Licht-Tubes Teil des Set-Designs sind. „High budget commercial“ nennt Pavel sein Set – trifft es genau.
Sechzehn Lichter, und kein einziger Blitz darunter: Tube-Leuchten bauen die Hintergrund-Grafik, Gobo-Projektoren geben Form, und ein vier Meter breiter Diffusionsrahmen über der Szene liefert das weiche, umschließende Hauptlicht. Sogar die Kamera spielt mit – eine Cine-Kamera bei T2.8 mit ND-Filter, damit sich das Dauerlicht exakt so beurteilen lässt, wie der Sensor es sieht. Selbst wenn du nie Video drehst: Ein Set wie dieses zeigt dir, wie die großen Produktionen denken.
Inspiriert? Lade dir die Setups in der Community herunter!
Alle vier Blueprints stehen als kostenloser Download bereit. Öffne ein Set, geh es in 3D durch, schau dir an, wo jedes Licht steht und wie es eingestellt ist – und dann bau es nach deinen Vorstellungen um.
Viel Spaß beim Ausprobieren,
Dan von elixxier
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