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Kapitel 1: Die Kamera richtig einstellen lernen

Grundlagen_Kameraeinstellungen

Im heutigen online Fotokurs lernen wir die manuellen Grundeinstellungen der Spiegelreflexkamera kennen.

Wir halten uns bewusst kurz und vermitteln ganz knapp das nötige Wissen für den schnellen Einstieg.

Manuelle Einstellung (M)

Um im Fotostudio (bzw. mit Blitzanlage) richtig fotografieren zu können, muss die Spiegelreflexkamera komplett manuell eingestellt werden. Digitalkamera mit Display Hierbei kann man sowohl Blende, ISO wie auch die Belichtungszeit (Verschluss) manuell einstellen. Hinzu kommt noch der manuelle Weißabgleich. Das hört sich im ersten Augenblick schwierig an, ist aber eigentlich ziemlich einfach.

Die Blende

Die Blende steuert die Menge des Lichts das durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Außerdem beeinflusst die Blende die Schärfentiefe, von vielen auch Tiefenschärfe genannt. Die Blende wird mit „f/Zahlen“ angegeben, Bsp. f 2.8.

Bei weit geöffneter Blende (kleine Blendenzahl z.B. f2,8) und gleichbleibendem Licht trifft mehr Licht auf den Sensor, da die große Öffnung viel Licht durchlässt. Dadurch verkürzen sich die Belichtungszeiten (z.B. 1/250s). Eine weit geöffnete Blende bietet eine schöne Möglichkeit mit Unschärfen zu spielen.

Ist hingegen die Blende bei gleichen Lichtverhältnissen weiter geschlossen (größere Blendenzahl z.B. f11), trifft weniger Licht auf den Sensor. Das bedeutet, dass eine längere Belichtungszeit gewählt werden muss. Die beiden Faktoren – Blende und Zeit – sind proportional zueinander. In unserem Beispiel haben wir die Blende um 4 Stufen geschlossen und müssen somit die Belichtungszeit viermal so lang wählen (1/15s). Gleichzeitig vergrößert sich der Schärfebereich. Achtet darauf die Kamera ruhig zu halten oder benutzt ein Stativ, um das Bild in diesem Fall nicht zu verwackeln. Da im Fotostudio die Helligkeit des Bildes nicht über die Belichtungszeit geregelt werden kann, bleibt hier also nur noch die Blende (natürlich abgesehen vom Regeln der Blitzlichter). Die ISO Empfindlichkeit wählt man in der Regel recht klein (z.B. ISO 100), um möglichst kein Bildrauschen zu erhalten und nutzt diese daher auch nicht zur Helligkeitseinstellung des Bildes.

Tipp: Man sollte beim Kauf darauf achten, möglichst lichtstarke Objektive zu erwerben, also Objektive mit kleinstmöglicher Blendenzahl (z.B. f2,8) , da sie Lichtstärker sind und somit mehr Optionen und Möglichkeiten zur Bildgestaltung bieten.

Kamera Blende

Die internationale Blendenreihe:
f1,0 > f1,4 > f2,0 > f4,0 > f5,6 > f8,0 > f11 > f16 > f22 > f32 > f64 > f90 > f180 > f256

Mit jedem Schritt halbiert(verdoppelt) sich die Lichtmenge die auf den Sensor trift.

Die meisten modernen Objektive (Die Blende ist in das Objektiv eingebaut!!) bieten die Möglichkeit Drittel-Blendenstufen einzustellen.

Drittel-Blendenstufen:
f1 > f1,1 > f1,2 > f1,4 > f1,6 > f1,8 > f2 > f2,2 > f2,5 > f2,8 > f3,2 > f3,5 > f4 > f4,5 > f5 > f5,6 > f6,3 > f7,1 > f8 > f9 > f10 > f11 > f13 > f14 > f16 > f18 > f20 > f22 > f25 > f29 > f32

Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht fällt auf den Sensor, desto weniger Schärfentiefe (Tiefenschärfe).

Je grösser die Blendenzahl, desto weniger Licht fällt auf den Sensor, desto mehr Schärfentiefe (Tiefenschärfe).

Der Verschluss, die Verschlusszeit

Die Verschlusszeit ist eine der drei manuell möglichen Einstellungen, mit der man die Belichtung steuern kann. Sie regelt sowohl die Helligkeit (wie lange das Licht auf den Sensor fällt), als auch die Geschwindigkeit, mit der das Bild fotografiert wird.

Bei sich schnell bewegenden Objekten wird eine kürzere Verschlusszeit verwendet um den Moment ohne Bewegungsunschärfe einzufrieren. Bei schlechten Lichtverhältnissen (z.B. Nachtaufnahmen) muss eine längere Verschlusszeit (Langzeitbelichtung) verwendet werden, um die vorhandene Lichtsituation / Atmosphäre einzufangen. Hierbei ist ein Stativ
besonders empfehlenswert.

Wie bei der Blende gibt es eine internationale Verschlusszeitenreihe:
15s > 8s > 4s > 2s > 1 sec > 1/2 sec > 1/8 sec > 1/15 sec > 1/30 sec > 1/60 sec > 1/125 sec > 1/250 sec > 1/500 sec > 1/1000 sec > 1/2000 sec > 1/4000 sec > 1/8000 sec

Mit jedem Schritt verdoppelt (halbiert) sich die Zeit und damit auch die Lichtmenge die auf den Sensor trift. Wie bei der Blende, gibt es zwischen diesen Werten bei den meisten modernen Kameras noch 1/3 bzw. 1/2 Schritte.

Prinzipiell gilt:

Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht fällt auf den Sensor, ergo desto heller das Bild.

Je kürzer die Belichtungszeit ist, desto weniger Licht fällt auf den Sensor, ergo desto dunkler ist das Bild.

Die Belichtungszeit spielt in der normalen Studiofotografie nur eine untergeordnete Rolle, da diese durch die Blitzsynchronzeit bestimmt wird.

Hinweis: Die schnellste Blitzsynchronzeit im Studio beträgt üblicherweise maximal 1/250 sec. Um zu vermeiden dass der Schlitzverschluss der Kamera am Bildrand auftaucht, oder gar das Bild ganz verdeckt, ist eine Einstellung von 1/160 ideal.

ISO (ASA)

ISO, oder auch ASA genannt, ist der Grad der Empfindlichkeit bei Film oder Sensor. Die ISO-Zahl ist neben der Blende und der Verschlusszeit die dritte Möglichkeit, um Einfluss auf die Belichtung zu nehmen. Je größer die ISO-Zahl, desto lichtempfindlicher ist der Film bzw. Sensor. Bei strahlendem Sonnenschein wird in der Regel eine ISO-Zahl von 100 ISO verwendet. Durch jede Verdopplung der ISO-Zahl (jeder Sprung in der ISO-Reihe) gewinnt man 1 Blende mehr Licht. Dies ermöglicht Euch auch in einer dunkleren Atmosphäre (Abenddämmerung) ohne ein Stativ zu fotografieren. Der Nachteil ist, dass sogenanntes Bildrauschen entsteht. Bildrauschen ist bei der digitalen Spiegelreflexkamera vergleichbar mit dem Korn bei einer analogen Kamera und entsteht durch die Verstärkung des Sensorsignals. Da die Kameratechnik sich stetig verbesserst, kann man mittlerweile auch höhere ISO-Werte verwenden, allerdings wirkt sich das Bildrauschen von Kamera zu Kamera unterschiedlich aus. 

Tipp: Die Spiegelreflexkamera anhand einer Belichtungsreihe mit unterschiedlichen ISO-Werten testen, um zu sehen ab welchem ISO-Wert man das Rauschen sieht und es als störend empfindet. Gegebenenfalls Stativ, Aufsteckblitz oder Blitzanlagen verwenden.

Internationale ISO-Reihe in ganzen Schritten:
50 > 100 > 200 > 400 > 800 > 1600 > 3200 > 6400 > 12800 > 25600

Wie bei der Blende und der Verschlusszeit, bieten die meisten modernen Kameras die Möglichkeit den ISO Wert in 1/3 Stufen zu regeln:
50 > 100 > 125 > 160 > 200 > 250 > 320 > 400 > 500 > 640 > 800 > 1000 > 1250 > 1600 > 2000 > 3200 > 4000 > 5000 > 6400

Je höher die ISO Zahl, desto höher ist die Empfindlichkeit, desto heller wird das Bild oder desto weniger vorhandenes Licht braucht man für ein Foto.

Weißabgleich: 

Beim Weißabgleich wird von der Kamera die Farbtemperatur des vorhandenen Lichts gemessen und ausgewertet. Die Kamera versucht die besten Einstellungen zu treffen, damit eine weiße Fläche auch wirklich Weiß ist. Dies ist notwendig, da so gut wie jede Lichtquellenart eine andere Farbtemperatur aussendet. Diese hängt mit den verschiedenen Wellenlängen des sichtbaren Spektralbereiches zusammen. Je größer der Anteil der langwelligne Strahlung ist, desto rötlicher wirkt das Licht und bläulicher je mehr kurzwellige Lichtstrahlen vorhanden sind. Die menschliche Wahrnehmung führt den Weißabgleich automatisch durch, da sie ja weiß, dass z.B. ein Blatt Papier Weiß ist. Sprich, selbst wenn ein weißes Blatt von bläulichem Licht beleuchtet wird, werden wir es als Weiß ansehen.

Colortemperature Farbtermperatur

Die Kamera misst kurz VOR dem eigentlich Bild die Farbtemperatur der Umgebung und stellt dann den für eigentliche Aufnahme passenden Wert ein. Da zu diesem Zeitpunkt die Blitze im Studio noch nicht gezündet haben, misst die Kamera die Farbtemperatur welche zu diesem Zeitpunkt herrscht (z.B. der Einstelllichter und Studiobeleuchtung). Die Farbtemperatur der Blitzlichter ist aber in der Regel eine völlig andere, weshalb man Bilder mit heftigem Farbstich erhalten wird.

Um nun Bilder mit der passenden Fartemperatur zu erhalten, muss ein manueller Weißabgleich vorgenommen werden.

Zum manuellen Weißabgleich wird ein weißes Blatt Papier, oder besser eine Graukarte verwendet. Positioniere die Graukarte dort wo später das Model stehen wird (oder besser, das Model hält die Graukarte) und schieße ein formatfüllendes Bild (natürlich mit Blitzlicht) von der Graukarte. Wichtig dabei, das Bild sollte nicht über oder unterbelichtet sein, nur so kann die Kamera anschließend den Wert richtig ermitteln. In den Einstellungen der Kamera (sieh in der Bedienungsanleitung nach), kann nun dieses Bild für die Einstellung des Weißabgleiches ausgewählt werden. Die Kamera analysiert das Bild und ermittelt den passenden Kelvin-Wert zu dieser Lichtsituation und stellt diesen ein.

Ist das geschafft, sollten die weiteren Bilder mit optimaler Farbtemperatur zu sehen sein.

Die meisten Kameras bieten auch die Möglichkeit einen festen Kelvin-Wert einzustellen, das sollte man aber nur tun, wenn ein manueller Weißabgleich gerade nicht möglich ist. Ein guter Richtwert ist ca. 5500 Kelvin, da sich die meisten Blitzanlagen um diesen Wert bewegen.

Fazit:

Um im Fotostudio die richtigen (wichtigen) Einstellungen der Kamera vornehmen und schnell loslegen zu können, sollte man die Zusammenhänge von Blende, Verschluss und ISO verstanden haben. Natürlich ist dieses Wissen auch für die Outdoor-Fotografie unerlässlich. Die Blende kann man als wichtigstes gestalterisches Mittel ansehen, da sie nicht nur die Lichtmenge, sondern auch den Schärfebereich (Schärfentiefe) definiert.

Eine gute Grundeinstellung der Kamera für den Start im Studio ist:
Blende 8, Verschluss 1/160s, ISO 100 und ein manueller Weißabgleich.

An diese Kameraeinstellung kann man jetzt die Blitzenergie (Leistung) der Blitzanlage anpassen und schon kann es los gehen.

Im Kapitel 2 geht es dann um den „Einstieg in die Portraitfotografie„.

Euer Johannes Dauner

Hier haben wir noch einen kleinen Guide für dich:

StudioBeginnerGuide

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